Lithiumgewinnung: Antworten von Vulcan Energie Ressourcen GmbH / NatürLich Insheim GmbH

Am 12.04. bis 20.04.22 hat die Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen, Insheim, in persönlichen Gesprächen mit dem für Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Herrn Felix Kästner sowie dem Geologen Philipp Wolpert vor Ort in Herxheim Antworten auf ihre Fragen erhalten. Der Geschäftsführer von Vulcan und auch der NatürLich Insheim GmbH, Herr Thorsten Weimann, beantwortete Fragen schriftlich per E-Mail. Am 25.04.22 besuchten wir die Geothermieanlage Insheim sowie die Informationsveranstaltung von Vulcan Energie Ressourcen GmbH in der Festhalle Herxheim und machten uns in Gesprächen über die Lithiumförderung kundig.

Hier nun eine kurze Zusammenfassung der Antworten:

Die in Insheim zukünftig tätige NatürLich Insheim GmbH ist eine 100%-ige Tochter von Vulcan Energie Ressourcen GmbH. Das war bereits bei den Pfalzwerken so: Die Firma vor Ort war eine 100%ige Tochter der PW AG. Das Haftungskapital liegt derzeit bei ca. 190 Millionen Euro. 20 Millionen Euro sind über Versicherungen abgedeckt, eine Aufstockung zur Neuwertversicherung ist beabsichtigt. Die Natürlich Insheim GmbH wird Gewerbesteuer in Insheim entrichten.

Bei der Lithiumförderung in Insheim kommt das Direct Lithium Extraktionsverfahren (DLE) zum Einsatz: Die Filterung erfolgt mithilfe von Sorbenten, eine Extraktionsanlage filtert Lithium-Carbonat heraus. Die Lithium-Extraktion ist ein physikalisches Verfahren und vergleichbar mit den Systemen, die in der Wasseraufbereitung nachgeschaltet sind, um Schwermetalle aus dem Wasser zu entfernen. Das gewonnene Wasser-Lithiumcarbonat-Gemisch wird mit Lastwagen dann nach Frankfurt Höchst gefahren und dort in Lithium-Hydroxidmonohydrat umgewandelt, welches man für die Batterien braucht.

Der genaue Standort der DLE-Anlage (Insheim oder Landau) ist noch nicht fixiert. Es gibt derzeit erste Vorplanungen für eine Pipeline von Insheim nach Landau.

Die wesentlichen Zuläufe der Extraktion sind Thermalwasser und Salzsäure, die im Prozess wiedergewonnen wird. Zu den Abläufen: Das benötigte Waschwasser wird im Kreislauf gefahren und nach dem Entzug des Lithiums wieder dem System zugeführt. Lärm der Extraktionsanlage entsteht hauptsächlich durch Lüfter am entsprechenden Standort. Die DLE-Anlage ist mit einem Wasserwerk vergleichbar. Die DLE unterliegt, wie alle Anlagen, der „TA Lärm“. Vulcan sieht derzeit keine Quelle für einen Brummton.

Vulcan sieht keine größeren Abfallmengen aus der Lithiumextraktion, da hier mit Salzsäure und Wasser gearbeitet wird. Betriebsabfälle in Form von Ölen, Fetten, allgemeinem Abfall, etc. werden entstehen und über die zertifizierten Wege entsorgt, wie dies auch jetzt im Geothermiekraftwerk bereits der Fall ist. Es gibt natürlich auftretende radioaktive Stoffe im Thermalwasser, die sich in Ablagerungen akkumulieren. Einordnend lässt sich sagen, dass vielerorts Radioaktivität auch natürlich auftritt – z. B. im Schwarzwald durch den Zerfall von natürlich vorkommendem unterirdischem Uran. Es werden in Insheim Inhibitoren zur Verhinderung der Ablagerungen eingesetzt, um bereits die Akkumulierung zu verhindern. Die radioaktiven Scalings werden in dem Sinne inaktiviert, dass keine Elemente aus dem Einlagerungssystem entweichen können und werden dann auf entsprechenden zugelassenen Deponien gelagert. Derzeit läuft ein Projekt zur Verbringung der Scalings in eben die Reservoire, aus denen sie gefördert werden, so dass eine Deponierung nicht mehr notwendig ist.

Aufgrund der Tiefe der Mehrfachverrohrung von 3.000-4.000 m ins Thermalwasser besteht keine Verbindung ins Grundwasser. Das Thermalwasser kommt nicht aus dem Grundwasser und wird ebenfalls, wie bereits heute, im Kreislauf gefahren. Ein Grundwassermonitoring erfolgt nur bei der Bohrung.

Das Geothermiekraftwerk unterliegt einem kontinuierlichem Seismik-Monitoring, welches die NatürLich Insheim GmbH selbst betreibt. Die Daten werden kontinuierlich online gestellt und auch vom rheinland-pfälzischen Bergamt ausgewertet. Bereits heute verfügt das Geothermiekraftwerk über ein Messnetz von Geophonen und Aufnehmern von Bodenschwinggeschwindigkeit, dieses wird weiter ausgebaut. Die Frage einer eventuell erforderlichen 3. Bohrung ist noch nicht abschließend geklärt. In Kürze erfolgt eine 3D-Seismik.

Das Unternehmen ist in Gesprächen mit der ESW aus Landau zum Thema Fernwärmeversorgung für Insheim. Das Kraftwerk wird in der nächsten Zeit umgebaut, um die Lieferung von Fernwärme zu ermöglichen. Dies soll laut Herrn Weimann aus Sicht der NatürLich Insheim GmbH ab 2023 möglich sein.

Die o.g. Antworten stellen keine Beurteilung der Lithiumförderung in Insheim unserer Fraktion dar. Eine abschließende Bewertung des Vorhabens durch den Gemeinderat steht noch aus.

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